Transformationstherapie

Ärger mit dem Vater - Minderwertigkeitsgefühle

Eine 19jährige Klientin, nennen wir sie Maja, kommt wegen einem Problem mit ihrem Vater zu mir. Sie findet ihren Vater kalt und unnahbar und hat das Gefühl, weder von ihm beachtet, noch wirklich geliebt zu werden. Stattdessen werde sie viel von ihm kritisiert, sodass oft Streit zwischen ihnen entstehe. Das belaste sie sehr.

 

Auf meine Nachfrage hin, ob sie sich in seinen Augen wertlos fühle, bestätigt sie es unter Tränen.

 

In der anschließenden Transformationstherapiesitzung kommt sie in der Meditation, in eine Situation, wie sie als 4jährige zusammen mit ihrem Bruder vor dem Haus im Sandkasten spielt. Sie hat einen Sandkuchen gebacken, weil sie weiß, dass ihr Vater bald von der Arbeit nach Hause kommen wird. Als dieser kommt, hat sie jedoch keine Chance dem Vater ihr kleines Kunstwerk zu zeigen, weil dieser die beiden Kinder gar nicht wahrnimmt.

 

In dieser Situation kommt in der kleinen Maja eine Enttäuschung und ein Minderwertigkeitsgefühl hoch und sie denkt: „Papa sieht und liebt mich gar nicht!“

 

Als bei der Klientin mir gegenüber die Tränen fließen, lasse ich sie diese Traurigkeit eine Weile fühlen.

 

Bevor ich die Lichtarbeit mache, frage ich sie, ob sie bereit sei, kurz in ihren Vater „einzutauchen“, um einmal zu fühlen, wie es ihm dort in der Situation ergeht. Sie nickt und somit lasse ich sie in den Körper ihres Vaters „schlüpfen“.

 

Auch sie fühlt im Körper ihres Vaters ein Unbehagen und eine große Angespanntheit. Als ich sie mit den Augen ihres Vaters die beiden spielenden Kinder im Sandkasten anschauen lasse, empfindet die Klientin ein starkes Liebesgefühl für die Kinder.

 

Ich hole die Klientin aus dem Körper ihres Vaters zurück und mache die Lichtarbeit.

 

Danach kann Maja den alten Glaubenssatz löschen und in folgenden neuen umwandeln: „Ich werde gesehen und akzeptiert“!

 

Dieser neue Glaubenssatz wirkt ab diesem Zeitpunkt in Majas Leben und führte dazu, dass sich ihr Verhältnis zum Vater besserte und sie mehr Verständnis für das Verhalten ihres Vaters aufbringen kann. Ich empfahl ihr noch, in den nächsten Wochen die Meditation „Der Vater meiner Kindheit“ oder „Frieden mit meinen Arschengeln“ zu machen, um weitere „väterliche“ Verstrickungen in ihrem Leben zu lösen.

 

Analyse:

 

Majas Vater scheint ein sehr kopfgesteuerter Mensch zu sein. Auf Nachfrage erzählt mir Maja, dass er als Waisenkind aufgewachsen ist.

 

Diese Menschen haben oft selber ein starkes Gefühl von Minderwertigkeit, weil sie sich als Kinder nicht erklären können, warum sie von der Mutter allein gelassen wurden. Und sich daher „falsch“ oder „nicht liebenswert“ fühlen. Um diese Minderwertigkeitsgefühle nicht fühlen zu müssen, schotten sie sich oft von ihren gesamten Emotionen ab und wirken daher nach außen kühl und abweisend.

 

Auch Maja hatte als Kind diese Kühle ihres Vaters auf sich bezogen und dadurch das Gefühl, dass sie von ihrem Vater nicht geliebt wird. Durch die Meditation im Körper ihres Vaters konnte sie jedoch erfahren, dass ihr Vater eine tiefe Liebe für seine Kinder empfindet. Diese aber aufgrund eigener Traumata aus der Kindheit nicht zeigen kann.

 

Der Vater selber scheint sich in seiner Situation eingerichtet zu haben, aber Maja belastet die abweisende Haltung des Vaters sehr. Somit war es gut, dass sie selbst zu mir gekommen ist und nicht versucht hat, ihren Vater zu einer Therapie zu überreden. Denn wen es „trifft“, den „BEtrifft“ es auch!

 

Wir können den anderen nicht zwingen, sich zu ändern. Auch wenn wir das oft nur all zu gerne wünschen. Wenn mich etwas „antriggert“, darf ich zuerst bei mir selber schauen, welche Gefühle dadurch in mir hoch kommen. Denn es sind allein MEINE Gefühle, die schon seit langer Zeit in mir schlummern. Der andere hat mir lediglich dabei geholfen, dass ich wieder auf sie aufmerksam werde. Somit ist derjenige, der mich wütend oder traurig macht und den ich als A...loch bezeichne, im Grunde ein Engel, der mir hilft, mir meine eigenen Themen bewusst zu machen, um diese dann auflösen zu können.

Robert Betz hat für diese Menschen den passenden Begriff des „Arschengels“ kreiert 

 

Fazit:

 

egal,

- wie anstrengend oder unnahbar mein Kind ist

- wie böse die Schwiegermutter oder der Nachbar zu sein scheint

- wie schweigsam mein Partner mit mir umgeht

- wie eifersüchtig ich auf den Liebhaber meiner Frau bin

- wie ungerecht ich mich vom Chef behandelt fühle

- wie sehr mich die anderen Kollegen mobben

- usw.

 

ICH selbst kann es ändern! Indem ich zunächst bei mir hinschaue und es bearbeite. Danach wird sich automatisch auch die Welt und die Menschen um mich herum verändern!

 

Allgemeines

 

Unsere Glaubenssätze wirken in unserem Leben, wie ein Selbstläufer. Obwohl wir erwachsen sind, glauben wir immer noch an das, was das kleine Kind damals über das Leben erfahren hat.

 

Das bedeutet in Majas Fall, dass sie das Gefühl hat, dass ihr Vater sie nicht liebt. Und jedes Mal, wenn sie heute mit ihrem Vater in Streit gerät, er sie kritisiert oder ignoriert, fühlt sie sich in ihrem Minderwertigkeitsgefühl bestätigt, obwohl sie mit allen anderen Menschen gut klar kommt.

 

Und genau das ist der Knackpunkt. Solange diese Glaubenssätze in uns wirken, können wir im Außen alles anstellen, um dagegen anzugehen, es wird uns niemals glücklich werden lassen.

 

Denn unsere Gedanken bestimmen unser Leben, auch wenn sie uns nicht einmal bewusst sind!

 

Und solange unterbewusste Gedanken in uns wirken, wirken sie sich auch auf unser Dasein aus.

 

Copyright © 2014- Fühlen Lernen - Karin Busse-Wüllner - Transformationstherapeutin n .R. Betz