Transformationstherapie

Beispielfall: Von Ehefrau verlassen - Angst vor dem Alleinsein

Ein Mann Ende 40, nennen wir ihn Frank, kommt zu mir, weil ihn seine Frau verlassen hat. Er liebt sie immer noch und möchte sie zurück gewinnen. Sie aber, hat jeglichen Kontakt zu ihm abgebrochen. Er sagt, dass er sich sehr allein, hilflos und wertlos vorkomme. Seine Frau habe ihm vorgeworfen, dass sie einen richtigen Mann wolle und weder ein „Weichei“ noch einen „Frauenversteher“. Das habe ihn sehr getroffen.

 

In einer anschließenden Transformationstherapiesitzung wollen wir uns den Ursprung dieser Gefühle ansehen.

Frank kommt in der Meditation in eine Situation, als er ca. 6 Jahre alt ist. Seine Mutter hat mit ihm geschimpft und ihn auf sein Zimmer geschickt. Frank weiß jedoch gar nicht warum und fühlt sich missverstanden und schlecht behandelt. Er sieht den kleinen Frank auf seinem Bett liegen und weinen. Eigentlich möchte er zurück zur Mutter. Aber das ist aussichtslos, denn er weiß, dass die ihn momentan nicht sehen möchte, weil sie aus irgend einem Grund wütend auf ihn ist.

 

Diese Situation wiederum, lässt ihn wütend werden. Wütend über seine Hilflosigkeit und dass ihn seine Mama nicht sehen will, obwohl er doch nichts lieber wünschte als bei ihr zu sein.

 

Ich lasse ihn diese Wut fühlen, bis die Wut sich in Trauer verwandelt. Traurigkeit darüber, dass er nicht einmal weiß, was er falsch gemacht hat.

 

Und es denkt in dem kleinen  Frank: „Ich muss noch braver sein, sonst liebt Mami mich nicht und lässt mich allein!“

 

Eigentlich könnte ich nun schon die Lichtarbeit machen und diesen Glaubenssatz auflösen. Doch ich fühle, dass ich noch weiter zurück gehen muss. Dass dies noch nicht der Ursprung des Problems ist.

 

Ich frage Frank also, ob er bereit sei, noch eine andere, eine frühere Situation seiner Kindheit anzuschauen. Als er zustimmt, bitte ich die geistigen Helfer, ihm noch eine zweite Situation vor Augen zu führen, in der er diese Gefühle schon einmal gehabt hat.

 

Nach einer Weile, in der es nur Schwärze um ihn herum gibt, erklärt Frank, dass er das Gefühl habe, im Mutterleib zu sein. Auf meine Nachfrage hin, beschreibt er ein Unwohlsein. Er spüre eine Überforderung seiner Mutter und er habe das Gefühl, sich ganz ruhig, lieb und brav verhalten zu müssen, um seiner Mutter nicht noch mehr Probleme durch die Schwangerschaft zuzufügen.

 

Sein Glaubenssatz in dieser Situation laute: „Wenn ich nur ganz lieb bin, hat Mami mich auch lieb! Wenn nicht, muss ich sterben!“

 

Nach meiner Lichtarbeit konnte Frank diesen Glaubenssatz auflösen und wie folgt ändern: „Ab heute bin ich frei und lebe mein Leben selbstbestimmt!“

 

Dieser neue Glaubenssatz wirkt seit dem in Franks Leben. Er war noch zu einigen Folgesitzungen bei mir, in denen wir weitere Glaubenssätze seiner Kindheit lösen und die Verstrickung mit seiner Mutter weiter klären konnten. Frank wirkt heute wesentlich männlicher. Und auch seine Frau ist inzwischen von sich aus, zu ihm zurück gekehrt.

 

Analyse

 

Frank war ein typischer „Frauenretter“. Hervorgerufen durch die vorgeburtliche Situation mit seiner Mutter.

 

Säuglinge wissen instinktiv, dass sie ohne die Mutter keine Chance zum Überleben haben. Wenn sie dann fühlen, dass es der Mutter nicht gut geht, tun sie oft alles, um der Mutter zu helfen und diese regelrecht zu „retten“. Nicht selten werden dann Glaubenssätze gebildet, wie: „Mutter, ich tue alles für Dich!“ oder „Mami, ich werde Dich/uns retten!“

 

Dieses „Rettenwollen“ wirkt dann auch noch im Erwachsenenalter weiter. Entweder sie bleiben bis zum Tod der Mutter bei ihr (sog. Muttersöhnchen) oder sie projizieren dieses Helfersyndrom auf ihre Partnerin (sog. Frauenversteher).

 

Viele Frauen finden es anfangs auch wunderbar, dass ihnen ihr Partner jeden Wunsch von den Augen abzulesen scheint. Doch im Grunde, wird sie für den Mann damit immer mehr zum Mutterersatz. Damit kann keine Beziehung auf Dauer glücklich bestehen, denn welche Frau möchte schon gerne mit ihrem Sohn und welcher Mann mit seiner Mutter ins Bett ?!

 

Durch die Auflösung dieser Glaubenssätze in Bezug auf seine Mutter konnte Frank sich und im Endeffekt auch seine Frau aus diesem Muster befreien. Nun haben die beiden endlich eine Chance, ihre Partnerschaft selbstbestimmt und erwachsen zu leben.

 

Allgemeines

 

Unsere Glaubenssätze wirken in unserem Leben, wie ein Selbstläufer. Obwohl wir erwachsen sind, glauben wir immer noch an das, was das kleine Kind damals über das Leben erfahren hat.

 

Das bedeutet in Franks Fall, sein Glaubenssatz: „Ich muss immer lieb sein, dann werde ich auch von Mama geliebt.“  hat dazu geführt, dass er in der Partnerschaft alles getan hat, um seiner Frau, die er an die Stelle seiner Mutter gestellt hat, zu gefallen. Er war ihr gegenüber immer lieb und brav und war später zu tiefst enttäuscht, dass seine Partnerin sich einen „richtigen Mann“ wünscht und eben genau diese Art von „Frauenversteher“ nicht mehr haben möchte.

 

Oft sind dies Frauen, die wiederum selber eine starke Sehnsucht nach einem liebenswerten, aber starken Vater haben. Weil der eigene Vater vielleicht selber schwach war und von der Ehefrau, wie eine Mutter gestützt und umsorgt wurde. In solchen Frauen können dann Glaubenssätze wirken, wie: „Ohne die Frau, kommt der Mann nicht klar im Leben.“ oder „Eine Frau muss Vater und Mutter zugleich sein.“ Nicht selten rühren solche Glaubenssätze noch aus Kriegszeiten, in denen die Mütter die Familie allein versorgen und zusammen halten mussten. Diese Muster können dann über Generationen durch die Erziehung weitergegeben werden, auch wenn der Krieg schon lange beendet ist.

 

Somit suchen sich diese Frauen zunächst „bewusst“ einen Mann, wie Frank aus, der in das bisherige Bild, dass sie über Männer haben, hinein passt. Und später merken sie dann, dass sie das eigentlich gar nicht wollen, einen Mann, den sie bemuttern müssen um somit das Leben ihrer eigenen Mutter noch einmal nach zu leben.

 

Und genau das ist der Knackpunkt. Solange diese Glaubenssätze in uns wirken, können wir im Außen alles anstellen, um dagegen anzugehen, es wird uns niemals glücklich werden lassen.

 

Denn unsere Gedanken bestimmen unser Leben, auch wenn sie uns nicht einmal bewusst sind!

 

Und solange unterbewusste Gedanken in uns wirken, wirken sie sich auch auf unser Dasein aus. Natürlich tun wir alles, um dagegen zu steuern. Doch dieses Gegensteuern, wird ohne Auflösung der uralten Gedankenmuster, immer ein Kampf bleiben.

Copyright © 2014- Fühlen Lernen - Karin Busse-Wüllner - Transformationstherapeutin n .R. Betz